Tipps zum hygienischen Verbandwechsel
Die Basis für eine erfolgreiche Wundbehandlung und eine Steigerung der Lebensqualität Ihrer Patienten.
Ziele des Verbandwechsels
Neben der Erneuerung des Verbandes kann ein Verbandwechsel genutzt werden, um die Wunde zu kontrollieren, sie zu beurteilen und ggfs. die Therapie an den Wundstatus anzupassen. Wichtig ist hierbei einen hygienischen Verbandwechsel durchzuführen, um eine Einschleppung von Keimen und Bakterien zu verhindern und Infektionen entgegenzuwirken. Ein hygienischer und möglichst schmerzarmer Verbandwechsel hat eine direkte Auswirkung auf die Lebensqualität und Adhärenz des Patienten.
Die richtige Reihenfolge der Wunden (nach Infektionsgrad) ist entscheidend
Die Versorgung von Wunden gehört - sowohl in der Klinik, als auch im ambulanten Bereich - zum Alltag. Dabei wird man jedoch bei einem Patienten häufig nicht nur mit einer, sondern mit mehreren Wunden konfrontiert. Zusätzlich hat man als medizinische Fachkraft nicht nur einen, sondern mehrere Patienten, deren Wunden im Laufe der Arbeitszeit gereinigt und versorgt werden sollen.
Merksatz: „Immer von rein zu unrein!“
Achten Sie bei Ihrer (Touren-) Planung und der Behandlung der unterschiedlichen Wunden auf die folgende Reihenfolge, um eine optimale Wundhygiene zu gewährleisten:
- Aseptische Wunden
- Kontaminierte und kolonisierte Wunden
- Infizierte Wunden
- Wunden mit multiresistenten Erregern (MRE) VRE, 3MRGN/4MRGN, sowie Keimen, die weiterführende Schutzmaßnahmen erfordern
Grundlegende Hygienemaßnahmen (inkl. Checkliste)
Das Arbeiten in Pflege und Medizin bedarf stets dem höchsten Anspruch an Hygiene und Sorgfalt. Durch den hohen Zeitdruck vergisst man im Alltagsstress dennoch schnell den ein oder anderen wichtigen Aspekt, weshalb wir hier für Sie eine kurze Checkliste bezüglich der wichtigsten Hygienemaßnahmen zur Durchführung eines Verbandwechsels zusammengestellt haben.
- Tragen Sie keinen Schmuck an Händen und Unterarmen (auch nicht Ehering oder Armbanduhr)
- Fingernägel kurz und sauber halten (kein Nagellack, keine künstlichen Fingernägel)
- Lange Haare zusammenbinden oder hochstecken
- Saubere Dienst-/Bereichs-/Arbeitskleidung, evtl. Schutzkleidung
- Händedesinfektion
- Hände waschen in 5 Schritten (ca. 30 Sekunden Zeit einplanen): nass machen, rundum einseifen, gründlich abspülen, sorgfältig abtrocknen
Was bedeutet „Steriles Vorgehen“ und warum ist dies so wichtig?
Nicht nur in Zeiten einer Pandemie gilt es stets Infektionen zu vermeiden. Bei der täglichen Arbeit – egal ob in Krankenhäusern, beim niedergelassenen Arzt oder in der Pflege – muss darauf geachtet werden, dass Infektionen von Patienten durch Keime und Bakterien verhindert werden.
Diese „saubere“ und umsichtige Arbeitsweise erzielt man durch steriles Arbeiten. Dabei wird nicht nur die Kontamination der Umgebung vermieden – das Vorgehen dient zusätzlich auch dem Selbstschutz.
Wie gehe ich dabei vor bzw. was versteht man unter einer sterilen Arbeitsweise?
Eine sterile Arbeitsweise wird häufig auch als Non-Touch-Technik bezeichnet. Dies bedeutet: Arbeiten mit unsterilen Handschuhen, aber mit sterilen Instrumenten wie z.B. Pinzetten. Die Wunde wird dabei NIEMALS mit den bloßen Händen berührt.
Hinweis: Manchmal sind sterile Handschuhe sinnvoll. Dafür ist jedoch dann eine zweite Person erforderlich, die das steriale Material anreicht.
Der aseptische Verbandwechsel
Der aseptische Verbandwechsel beschreibt die Reinigung der Wunden von innen nach außen, um keine weiteren Keime in die Wunde zu „schieben“. Die Wundumgebung sollte dafür nicht getupft, sondern ebenfalls gewischt werden. Pro Wischvorgang ist eine neue, sterile Kompresse bzw. ein neuer Tupfer zu verwenden. Zum Spülen von Wunden dürfen nur sterile Lösungen verwendet werden.
Wichtig: Hinsichtlich der Haltbarkeit und Anwendung der für die Spülungen verwendeten Lösungen müssen die Angaben des Herstellers beachtet werden. Beispiel: „Für den Einmal-Gebrauch“ hier darf die Packung nach Öffnung nur für einen Patienten und eine Anwendung verwendet werden. Reste MÜSSEN entsorgt werden.
Wie oft muss man einen Verband wechseln?
Dies lässt sich so pauschal leider nicht beantworten, da das Verbandwechselintervall von Art und Größe der Wunde sowie dem eingesetzten Produkt/Wundverband abhängt.
Hinweise dazu finden Sie in der Gebrauchsanweisung der Wundverbände sowie in der Wunddokumentation und in den Anweisungen des behandelnden Arztes.
Der ambulante Verbandwechsel
1. Die richtige Vorbereitung
- Mit dem Patienten gemeinsam eine gute Position finden: Eine Haltung, die für den Patienten angenehm ist, und in der der Verbandwechsel gut durchzuführen ist. Eventuell ist hier auch Schmerzmittel für den Patienten nötig.
- Schutzkleidung anziehen
- Verbandmaterial vorbereiten und auf einer Arbeitsfläche bereit legen.
Profi-Tipp: Steriles Material patientenfern, unsteriles Material patientennah vorbereiten!
- 3 Paar Handschuhe bereitlegen
- Hygienische Händedesinfektion (Nummer 1)
- 1. Paar Handschuhe anziehen (ggf. mit Hilfe, falls sterile Handschuhe nötig sind)
2. Durchführung des Verbandwechsels
- Abnehmen des „alten“ Wundverbandes
- Inspektion/Überprüfung des Wundverbandes z.B. hinsichtlich Exsudatmenge, Farbe, Geruch, ...)
- Entsorgen des entfernten Verbandes und der Handschuhe (Paar 1)
- Hygienische Händedesinfektion (Nummer 2)
- 2. Paar Handschuhe anziehen
- Wundreinigung durchführen (Reihenfolge und sterile Arbeitsweise beachten)
- Wundinspektion z.B. Farbe, Geruch, Granulation, umgebende Haut (z. B. auf Mazeration, Infektionszeichen, Biofilm etc.)
- Paar Handschuhe entsorgen (Paar 2)
- Hygienische Händedesinfektion (Nummer 3)
- 3. Paar Handschuhe anziehen
- Anlegen des neuen Verbandes (Gebrauchsanweisung des Verbandes beachten)
- Paar Handschuhe entsorgen (Paar 3)
- Hygienische Händedesinfektion (Nummer 4)
3. Die Nachbereitung eines Verbandwechsels
- Patienten in eine angenehme, gewünschte Sitz- oder Liege-Position bringen (an dieser Stelle sind häufig auch Entspannungsübungen sinnvoll)
- Reinigung der Arbeitsflächen
- Entsorgung der gebrauchten Materialien (benutztes Instrumentarium wird unmittelbar nach Gebrauch unter Vermeidung von Kontamination des Umfeldes sicher entsorgt. Gebrauchte Instrumente, die nicht verworfen werden, zur Resterilisation geben. Müllsack verschließen.)
- Hygienische Händedesinfektion (Nummer 5)
- Wunddokumentation
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